Christian Friedrich Gille

Christian Friedrich Gille
(Ballenstedt 1805 - 1899 Dresden)

Blick über das Elbtal bei Dresden, 1831

Öl auf Papier auf Pappe, 23,3 x 29,5
Signiert und datiert unten rechts am CG 26 Aug 31 (eingeritzt in die nasse Farbe)

Provenienz:
Nachlass des Künstlers;
dort erworben von Friedrich Asch, Dresden (siehe rückseitiges Etikett, datiert 26.1.1920);
Privatsammlung, Deutschland.

Literatur:
Gerd Spitzer, Christian Friedrich Gille 1805-1899: Malerische Entdeckung der Natur, Petersberg 2018, S. 91, Abb. 1

 

Christian Friedrich Gille ist sicherlich der bedeutendste Dresdner Schüler Johan Christian Dahls. Wie Dahl war auch Gille von den Vorzügen der plein-air Malerei überzeugt, ganz im Sinne der praktischen Umsetzung jener Anweisungen, die Carl Gustav Carus im achten seiner Neun Briefe zur Landschaftsmalerei ausführt: Der Künstler muss deshalb lernen, die Sprache der Natur zu sprechen; und der Ort solcher Unterweisung kann nur die natürliche Landschaft selbst sein […].[1]

Gille spielte in jungen Jahren keine prominente Rolle in Dresdner Kunstkreisen, dies sollte sich auch während seines langen Lebens nicht wesentlich verändern. Seinen Lebensunterhalt verdiente er als Drucker und Lithograph, mit anderen Künstlern hatte er wenig Kontakt. Eher untypisch für Künstler dieser Zeit, beschränkten sich seine Reisen auf das Dresdner Umland, aber weder in andere Teile Deutschlands noch nach Italien. Eben jene plein-air Ölskizzen, die heute so großes sammlerisches und kunsthistorisches Interesse wecken, erfuhren von Gilles Zeitgenossen wenig Wertschätzung. Was diese Landschaftsstudien kunstgeschichtlich so bedeutsam macht, so der ehemalige Kustos an der Dresdner Gemäldegalerie Neuer Meister Hans Joachim Neidhardt über Gille, ist die neuartige ästhetische Einstellung, aus der heraus sie entstanden sind. Es ist das Streben, das schnell Vergängliche eines optischen Eindrucks mit raschem Pinsel festzuhalten.[2] Im Gegensatz zu seinem Lehrer Dahl hinterließ er hauptsächlich Ölskizzen und Zeichnungen, aber lediglich eine kleine Zahl vollendeter Gemälde. Auch dies mag erklären, warum sein Werk in Vergessenheit geriet.

Die meisten von Gilles plein-air Studien zeigen Landschaften in der Nähe von Dresden oder motivisch zunächst unspektakulär anmutende Naturdetails. Wandernd erschloss er die ländliche Umgebung der Stadt und fand dort – wie unsere Ölstudie belegt – reizvolle Motive. Der große Gille Kenner, Gerd Spitzer, vormals Kurator der Galerie Neuer Meister hat die Skizze publiziert. Seiner Meinung nach ist die sommerliche Landschaft in den Elbtalhängen nordöstlich Dresdens zu lokalisieren. Die exakte Datierung vom 26. August 1831 schrieb der Maler mit dem Pinselstiel unmittelbar in die noch nasse Farbe. Aufgeteilt in horizontale Farbzonen erzeugt die Komposition die Illusion von Raum und Tiefe, wobei die Bildebenen von Erde und Himmel sorgfältig ausbalanciert sind. Graue und weiße Wolken vor einem sommerlichen blauen Himmel stehen dem darunter liegenden Wechsel von gelben Getreidefeldern und grünen Wiesen gegenüber. Mit raschem Pinselstrich entstand so die Darstellung einer heiteren, sommerlichen Landschaft mit der Konzentration auf der genauen Beobachtung der herrschenden Licht- und Wetterverhältnisse.


  1. Verfasst in den Jahren zwischen 1815 und 1824, vgl. Prause, Marianne, Carl Gustav Carus, Leben und Werk, Berlin 1968, S. 45 und Anm. 162.
  2. Hans Joachim Neidhardt, Die Malerei der Romantik in Dresden, Leipzig 1976, S. 191 f.

 

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