Jean-Léon Gérôme -verkauft

Jean-Léon Gérôme
(Vesoul 1724 - 1904 Paris)

Das Katharinenkloster, Sinai, um 1867

Öl auf Leinwand, 23,2 x 31,2 cm
Beschriftet unten rechts sinai

Provenienz:
Nachlass des Künstlers;
Mme Renault (Tochter des Künstlers);
in Erbfolge bis in die 1960er Jahre;
Privatsammlung, Paris;
Artcurial, Paris, 13. November 2013, Lot 128;
Privatsammlung, Frankreich.

 

Jean-Léon Gérôme ist einer der bekanntesten französischen Orientalisten des 19. Jahrhunderts. Etwa zwölf Mal bereiste er den nahen und mittleren Osten. Gérômes Reisewege folgten der klassischen Grand-Tour der damaligen Orientreisenden: Zunächst entlang des Nils bis nach Kairo, zur Oase Fayoum, Nil aufwärts bis Abu Simbel und zurück nach Kairo. Dann durch den Sinai und das Wadi el-Araba ins Heilige Land, nach Jerusalem und schließlich nach Damaskus.

Abb. 1

Diese Reisen benötigten eine aufwendige Ausrüstung, Kamele, Pferde und zahlreiche Bedienstete. In der Regel teilten sich mehrere Reisende die Kosten einer solchen Expedition. Auch Gérôme reiste im Winter 1867-68 zusammen mit sieben, zeitweise auch acht Begleitern, davon sechs Künstler, ein befreundeter Schriftsteller und sein Schwager Albert Goupil als Fotograf (Abb. 1). Einige von ihnen berichteten1 in Tagebuchaufzeichnungen, Briefen oder in später publizierten Reiseberichten, wie unermüdlich Gérôme jede Gelegenheit wahrgenommen hatte schnelle Skizzen anzufertigen. Er selbst schrieb 1878: ‚Even when weary after long marches under the bright sun, I set to work zealously as soon as we reached our camping spot. But oh, how many things one must leave behind, keeping only the memory of them; and I prefer three touches of color on a patch of canvas to the most vivid memory; but we must forge ahead despite regrets’.2

Die vorgestellte Ölskizze fertigte Gérôme während einer Reise durch den Sinai. Da der Künstler den Sinai wiederholt bereist hat, bleibt eine exakte Datierung schwierig, wahrscheinlich stammt sie von der Reise 1868. Diese Skizze kann mit anderen verglichen werden, die Gérôme im selben Reisezeitraum angefertigt hatte.3 Die Arbeiten sind alle in Öl auf Leinwand gemalt und haben die gleiche Größe, 23 mal 31 cm. Die kleinen Löcher am Rand der Leinwand zur Befestigung auf einer tragbaren, festen Unterlage machen Gérômes Arbeitsweise deutlich. Er spannte die kleinen Leinwände mit Reißzwecken auf eine Holztafel.

 Auch heute ist die Sinai Wüste mit ihren stark farbigen Gesteinen ein beliebtes Reiseziel. Das griechisch-orthodoxe Katharinenkloster, am Fuße des Berges Sinai gelegen, wurde im sechsten Jahrhundert gegründet und ist damit eines der ältesten Klöster der Christenheit, ein Ort an dem sich die jüdische, christliche und islamische Kultur berühren.

 


1 Es existieren Gérômes Notizen, das Reisetagebuch von Famars Testas, Paul Lenoirs Buch und zahlreiche Studien und Skizzen, die auf dem Weg gemacht wurden. Die von Albert Goupil aufgenommenen Fotos wurden von seinen Mitreisenden erwähnt, doch erst 1996 erwarb die Abteilung für Briefmarken und Fotografie der Bibliothèque nationale de France, département des Estampes et de la Photographie, ein Album mit 79 Aufnahmen. Es ist einem der Maler, Ernest Journault, gewidmet und es ist wahrscheinlich, dass Goupil jedem Expeditionsmitglied ein ähnliches Album und seinem Schwager Gérôme ein vollständigeres Album geschenkt hat. Siehe Dominique de Font-Réaulx, ‚Gérôme and photography: accurate depictions of an imagend world’, in The Spectacular Art of Jean-Léon Gérômes (1824-1904), Kat. Ausst. Los Angeles, The J. Paul Getty Museum, Paris, Musée d’Orsay, Madrid, Museo Thyssen-Bornemisza, 2010/2011, S. 234.

2 Über die große Bedeutung dieser Freiluft-Ölskizzen für den Maler, beschreibt Gérôme selbst in einem autobiografischen Aufsatz von 1878: Quoique fatigué après de longues marches en plein soleil, je me mettais avec ardeur au travail dès que l’endroit de la halte était atteint.  Mais, hélas! Que de choses laissées derrière soi dont on n’emporte que le souvenir! Et j’aime mieux trois touches de couleur sur un morceau de toile que le plus vif des souvenirs; mais il faut en aller en avant avec des regrets.

3 Vgl. The Spectacular Art of Jean-Léon Gérôme, op. cit., S. 236-7.

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