Max Liebermann

Max Liebermann
(1847 – Berlin – 1935)
Die Familie Riezler, 1930
Öl auf Leinwand, 54,5 x 75,8 cm
Signiert unten rechts M. Liebermann
Rückseitig ein Zollstempel der Bundesrepublik Deutschland[1]
Provenienz:
Sammlung Georg Schäfer, Schweinfurt;
Privatbesitz, Deutschland.
Ausstellung:
Wohnen in Berlin. Berliner Innenräume der Vergangenheit. Gemälde, Handzeichnungen, Druckgraphik, Berlin Museum, 5.9.-18.10.1976, Nr. 62, mit Abb.
Literatur:
Matthias Eberle, Max Liebermann, Werkverzeichnis der Gemälde und Ölstudien, München 1995, Bd. 2, S. 1216, Nr. 1930/3, Abb. S. 1218.
Sein privates Umfeld und das häusliche Leben lagen Max Liebermann besonders am Herzen. Er verkörperte Bürgerlichkeit wie kein anderer Maler seiner Generation. Seine Familie, das Haus am Wannsee, sein Atelier ziehen durch seine Bildwelt. „Meine Damen“ adressierte er seine Ehefrau Martha, die Tochter Käthe und die Enkelin Maria.[2]
Ab 1925 beschäftigte der Maler verstärkt mit häuslichen Szenen, in denen er seine Familie festhält. Manchmal setzte er sich mit ins Bild, manchmal konzentrierte er sich auf „die Damen“. Ein Familienbild mit dem Schwiegersohn Kurt Riezler ist selten, nur wenige sind im Werkverzeichnis von Eberle dokumentiert: WVZ 1925/35 plus Skizze WVZ 1925/36 (Abb. 1), WVZ 1926/1 und das hier vorzustellende 1930/3.[3]

Im Atelier des Künstlers am Pariser Platz sind auf dem Sofa links die Tochter Liebermanns, Käthe Riezler (1885-1952), und auf der Lehne ihre Tochter Maria (1917-1995) abgebildet, beide in ein Gespräch vertieft. Rechts von ihnen ist der Ehemann und Vater Kurt Riezler (1882-1955) in die Lektüre einer Zeitung versunken. An den Wänden hängen gerahmte Bilder und Skizzen. Liebermann wird aus dieser Studie kein großes Bild der Familie Riezler entwickeln, sondern lediglich Tochter und Enkelin in ganz ähnlicher Haltung in einem großen Doppelbildnis porträtieren. Jenes Bild (WVZ 1930/4) wurde 1930 erstmals abgebildet und von Ostwald in dieses Jahr datiert. Unser Werk wird kurz davor entstanden sein.
Liebermanns Schwiegersohn Kurt Riezler promovierte 1905 über antike Wirtschaftsgeschichte, trat als Pressereferent in das Auswärtige Amt ein, wurde Legationsrat und später Gesandter. Als im Sommer 1914 über die Frage von Krieg und Frieden entschieden wurde, arbeitete er im Stab des Reichskanzlers von Bethmann Hollweg. 1915 heiratete er Käthe Liebermann. 1919 bis 1920 war er Leiter des Büros des ersten Reichspräsidenten Friedrich Ebert. 1928 wurde Riezler Honorarprofessor, stellvertretender Geschäftsführer und Vorsitzender des Kuratoriums an der Goethe-Universität in Frankfurt a. Main, aus welchem Amt er 1933 von den Nationalsozialisten entlassen wurde. 1938 emigrierte Familie Riezler nach New York.
Durch seine skizzenhafte Ausführung und das angeschnittene Motiv haftet dem signierten Gemälde etwas Spontanes an, als ob man als Betrachter mit im Raum wäre. Die Atmosphäre des Ateliers, die auf der Lehne des Sofas sitzende Enkelin, der konzentriert der Zeitungslektüre hingegebene Kurt Riezler, ist in subtiler Farbigkeit inszeniert.
[1] Abdruck ist vor dem 31.03.1937 oder nach dem 01.10.1950 angebracht worden. Wir danken für die Auskunft bezüglich des Stempels dem Deutsches Zollmuseum, Hamburg.
[2] Siehe die Ausstellung in der Villa Liebermann, Berlin, 3. Februar bis 22. April 2024, Im Fokus. Martha, Käthe und Maria. Die Frauen der Familie Liebermann: liebermann-villa.de/ausstellungen/frauen-im-fokus/ (10.09.2025).
[3] Siehe Matthias Eberle, Max Liebermann, Werkverzeichnis der Gemälde und Ölstudien, München 1995, Bd. 2, 1925/35 (mit Kurt Riezler), 1925/36 mit Kurt Riezler, 1926/1 (mit Kurt Riezler), 1926/2, 1926/3, 1930/1 und 1930/3 (mit Kurt Riezler).
