Friedrich Preller der Jüngere

Friedrich Preller der Jüngere
(Weimar 1838 - 1901 Blasewitz)

Blick auf Ponte Nomentano in der römischen Kampagne, 1861

Öl auf Leinwand auf Pappe, 34,7 x 46,7 cm
Signiert, datiert und bezeichnet unten links Fr. Preller. / Campagna di Roma D. 19/? 1861.

Provenienz:
Galerie Hans, Hamburg;
Privatsammlung, Deutschland.

 

 

Die Erkundung Roms Umgebung gehörte im 19. Jahrhundert ebenso zu den Höhepunkten eines Rombesuchs, wie das Studium ihrer antiken Architekturen und berühmten Denkmäler. Ponte Nomentano, eine alte Brücke, die über den Fluss Aniene etwa fünf Kilometer nordöstlich der Stadtmauern führt, wurde von dem byzantinischen General Narses erbaut. Später wurde ein mittelalterlicher Wachturm hinzugefügt. Die malerische Brückenkonstruktion unterstreicht den Anblick der fast leeren Landschaft und setzt sie gleichsam in Szene. Sie wurde zu einem beliebten Motiv vor Ort ansässiger Landschaftsmaler im Freien.[1]

Unter freiem Himmel, en plein air zu arbeiten, war im 19. Jahrhundert in Italien sehr beliebt geworden. Ölskizzen von Pionieren wie Pierre-Henri de Valenciennes und Jean Baptiste Camille Corot inspirierten die Maler ihre Ateliers zu verlassen und von traditionellen Bleistiftskizzen abzusehen, um ihre Motive fortan in Öl festzuhalten. Friedrich Prellers d. J. Blick auf Ponte Nomentano in der römischen Kampagne weist alle typischen Merkmale einer Arbeit im Freien auf. Bedingt durch sich stets abwechselnde Licht- und Wetterverhältnisse, war der Künstler gezwungen, sein Motiv möglichst schnell auf der Leinwand abzubilden. Mit raschen Pinselstrichen suchte Preller die Schönheit des Augenblicks einzufangen. Für die Ausarbeitung von Details blieb keine Zeit. Am unteren linken Bildrand notiert Preller Ort und Zeit seiner Studie. Das Werk ist auf Leinwand ausgeführt, einem Medium, das sich aufgrund seiner Leichtigkeit und Formbarkeit besonders für Exkursionen ins Freie eignet. Um darauf zu malen, fixierte Preller die Leinwand auf einer Tafel. Hiervon zeugen kleine Nadeleinstiche an den vier äußeren Ecken.

Viele Künstler entschlossen sich in individuellen Bildlösungen für die Einbettung Ponte Nomentanos in der römischen Landschaft (Abb. 1). In unserer Ölstudie konzentrierte sich der talentierte 23-jährige Friedrich Preller d. J. auf die Ansicht Ponte Nomentanos aus nächster Nähe und schuf eine Komposition, die Natur und Architektur harmonisch in Einklang bringt. Die gewählte Untersicht lässt die Brücke über den Horizont und seine natürliche Umgebung hinausragen. Das typisch italienische Sonnenlicht verursacht dabei starke Schatten auf dem historischen Gemäuer und verstärkt seine charakteristischen architektonischen Elemente auf eindrucksvolle Weise. Die markante Form des Gebäudes spiegelt sich dabei nochmals im darunter entlangströmenden Fluss wider.

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Abb. 1: Jean Baptiste Camille Corot, Ponte Nomentano, Öl auf Leinwand, 28 x 42 cm, Museum Boijmans van Beuningen, Rotterdam Inv. Nr. 2894

Friedrich Preller wurde nach seinem Vater, dem Maler Friedrich Preller dem Älteren, benannt. Der erst dreizehnjährige Preller begann seine künstlerische Ausbildung 1851 in der väterlichen Werkstatt. Bereits sehr früh in seiner Karriere entschloss er sich dazu, Landschaftsmaler zu werden. Das vorliegende Werk fertigte er auf seiner ersten Italienreise von 1859 bis 1862 an. Zwischen 1864 und 1866 unternahm er eine weitere Reise nach Italien. Ein Jahr darauf ließ er sich in Dresden nieder, wo ihm 1880 eine Professur an der Dresdner Akademie der Bildenden Künste angetragen wurde. Seiner ausgiebigen Reiselust tat dies keinen Abbruch. Es folgten weitere Studienreisen auf die Inseln Rügen, Griechenland und Italien. Die meisten Prellers größerer Werke wurden bei einem Brand durch die Bombardierung Dresdens 1945 zerstört. Hierzu gehörten auch einige Wandmalereien in der Semperoper und im Albertinum mit Motiven aus der griechischen Mythologie.[2]


  1. In the Light of Italy - Corot and Open-Air Painting, Ausstellungskatalog National Gallery Washington 1996, S. 235.
  2. Thieme Becker, Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler, Bd. 27, S. 377.

 

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